Chancen und Möglichkeiten der Familienbande

Ich hoffe, du hattest schöne Weihnachtsfeiertage und hast eine entspannte und gemütliche Zeit mit deinen Liebsten verbracht!?
Manchmal zeigt sich ja auch gerade um Weihnachten herum der eine oder andere „rote Knopf„, den besonders gut Familienmitglieder zu drücken wissen… 😉

Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder, du steigst voll drauf ein und es entbrennt eine hitzige Diskussion oder ein kleinerer oder größerer Streit, oder du atmest ein paar Mal tief durch und versuchst, die Situation und das, was in dir vor sich geht von oben zu betrachten und aus der (Gegen-)Angriff-Position herauszukommen, indem du liebevoll und schlichtend reagierst. Zugegeben ist das manchmal leichter gesagt als getan, aber wir alle sind ja lernfähig und an einem streitüberschatteten Familientreffen hat doch letztlich keiner Freude…
Es gibt auch ein schönes Sprichwort:

„Wenn du glaubst, du bist erleuchtet, geh zu deiner Familie.“

Darüber muss ich jedes Mal schmunzeln, denn genau die Begegnungen im engsten Familienkreis spiegeln uns den Stand unserer inneren Entwicklung ganz wunderbar.

Und ist es nicht eigentlich etwas ganz Großartiges, dass das Universum (und unsere Seelen) es so eingerichtet haben, dass sie aufgrund der Familienbande nicht einfach so voneinander loskommen und sich immer wieder neu begegnen dürfen? Inklusive aller Spiegelpunkte, die alle füreinander bereit halten…

Und wenn wir es schaffen, genau hinzusehen, ist das doch eine riesige Chance weiter zu wachsen und Fähigkeiten und Qualitäten weiterzuentwickeln…
Und gerade in diesen Beziehungen ist Vergebung ganz besonders wichtig. Wenn wir weiter an den Geschehnissen und Vorkommnissen der Vergangenheit festhalten – und sie vielleicht jedes Mal im Streit wieder hervorholen und einander vorhalten, verletzen wir eigentlich nur uns selbst.

Und verpassen die Chance eines Neuanfangs in Frieden und Wertschätzung.

Ich habe neulich eine sehr schöne Geschichte gefunden, die ich heute gerne mit dir teilen möchte. Sie bringt es ziemlich auf den Punkt, weshalb Vergebung eigentlich so wichtig ist – und geht noch einen Schritt darüber hinaus….

Eine Geschichte vom Vergeben

Ein Schüler kam einst zu seinem Meister und beklagte sich über die Menschen, die ihn in letzter Zeit beleidigt hatten oder unfreundlich zu ihm waren. „Fast jeden Tag begegnen mir Menschen, über die ich mich aufregen muss, weil sie sich so dämlich verhalten, oder weil sie mich beleidigen oder mich verletzen“, klagte er.

Der Meister ging kurz ins Nebenzimmer und kam mit einem Messer und einem Korb voll Kartoffeln zurück, die er dem Schüler überreichte.

„Ich möchte, dass du an alle Personen denkst, die dich in letzter Zeit verletzt oder beleidigt haben. Dann ritzt du mit dem Messer den Namen jeder einzelnen Person auf eine Kartoffel.“

Dem Schüler fielen schnell einige Namen ein, und nach kurzer Zeit hatte er mehrere Kartoffeln beschriftet.

„Gut“, sagte der Meister. „Hier hast du einen kleinen Sack. Gib deine Kartoffeln da hinein und trage den Sack eine Woche lang überall mit dir. Dann komm wieder zu mir.“

Der Schüler tat, wie der Lehrer ihm geheißen hatte. Anfangs empfand er das Tragen des Sackes nicht als besonders schwierig. Aber nach einigen Tagen wurde der Sack immer lästiger; außerdem begannen die angeritzten Kartoffeln zu stinken.

Nach sieben Tagen begab sich der Schüler mit seinem Sack wieder zum Meister.

„Hast du aus dieser Übung etwas gelernt?“ fragte dieser.

„Ich denke schon“, antwortete der Schüler. „Wenn ich anderen nicht vergebe, trage ich diese Gefühle des Ärgers immer mit mir, genau wie die Kartoffeln. Und irgendwann verfault das Ganze auch noch. Also muss ich die Kartoffeln entfernen, indem ich meinen Mitmenschen vergebe.“

„Gut“, sagte der Meister, „du kannst vergeben und so die Kartoffeln loswerden. Überlege bitte, welchen dieser Personen du vergeben kannst, und entferne die entsprechenden Kartoffeln aus deinem Sack.“

Der Schüler dachte nach. Die Vorkommnisse, deretwegen er die Kartoffeln in den Sack gegeben hatte, waren alle schon mindestens eine Woche her; und so vergab er allen Personen und entfernte alle Kartoffeln aus dem Sack.

„Ausgezeichnet“, sprach der Meister und lächelte. „Dein Sack ist wieder leer. Deshalb möchte ich jetzt, dass du für alle Personen, die dich in der letzten Woche verletzt haben, erneut Kartoffeln beschriftest und in den Sack gibst.“

Der Schüler erschrak, denn er erkannte, dass sich so sein Sack schon wieder mit Kartoffeln füllen würde.

„Meister“, rief er, „wenn ich so weitermache, werde ich ja immer Kartoffeln im Sack haben!“

„Ganz genau“, antwortete der Meister verschmitzt, „solange irgendjemand etwas gegen dich sagt oder gegen dich handelt, wirst du Kartoffeln im Sack haben.“

„Aber ich kann doch nicht beeinflussen, was andere sagen oder tun. Was bringt es denn zu vergeben, wenn wir immer aufs Neue vergeben müssen?“

„Nicht besonders viel, das muss ich zugeben“, antwortete der Meister. „Das Problem ist, dass häufig nur an die Kartoffeln gedacht wird und nicht an den Sack. Aber wenn die Kartoffeln deine negativen Gefühle sind, was ist dann der Sack?“

Der Schüler überlegte. Schließlich sagte er: „Ich denke, dass der Sack mein Ego, mein Selbst ist. Ohne den Sack gibt es keine Kartoffeln… und ohne mein Ego keine negativen Gefühle.“

„Was passiert also, wenn du den Sack loslässt?“, fragte der Meister.

„Dann… dann ist das, was die Leute gegen mich sagen oder tun, kein Problem mehr für mich.“

„Richtig – und in diesem Fall wirst du niemanden mehr finden, dessen Namen du in eine Kartoffel ritzen könntest.“

(Kurzfassung einer Geschichte von taoism.net)

Vergebung ist der erste Schritt für einen leichteren Weg und mehr Freude und Frieden im Herzen. Dabei lässt du ganz automatisch mehr und mehr den Sack los.

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